Rosenduft - der Liebe Luft
Von Räuchern, der ursprünglichsten Art, aromatische Stoffe für religiöse, therapeutische sowie rituelle Zwecke freizusetzen, ist unser heutiges Wort Parfum abgeleitet (Per fumum = durch Rauch).
Duft ist eindeutig das zarteste Symbol göttlicher Nähe, und nebst Weihrauch gehört auch der Duft der Rose zu den himmlischen Wohlgerüchen. Himmelsduft oder Äther nannten ihn die Griechen. Ausgang vieler Zubereitungen ist das ätherische Öl der Rose, auch <Attar of Rose> genannt.
Einer der fünf Sinne des Menschen ist der Geruchsinn, der für das Finden von Nahrung und des Geschlechtspartners zuständig ist. Durch das Riechen dringt der Duft direkt über die Nase in unser Gehirn, wo der Geruchsinn mit dem Gefühlszentrum verbunden ist, und dementsprechend reagiert. Dies machen sich Parfümeure aber auch Aromatherapeuten zunutze.
Gerade der Duft der Rose wird von uns Menschen als angenehm und belebend empfunden. Schon im Altertum versuchte man diesen Duft möglichst nah verfügbar zu haben. Sei es durch den Anbau von Rosenhecken in nächster Nähe zum Haus oder durch das Schmücken der Räume mit Rosen. Für die kalte Jahreszeit wurden Rosenblütenblätter getrocknet und in den Räumen verteilt. Man nimmt an, dass es meist Frauen waren, die für die Aufbereitung der Düfte zuständig und auch darauf bedacht waren, dass der Vorrat nicht ausging.
Auch im Totenkult der alten Ägypter spielten Düfte eine grosse Rolle. Unter anderem wusch man die Körper der Toten mehrere Male mit Rosenwasser, und auch Rosen wurden in ihre Gräber gelegt.
Die Römer wussten den Duft der Rose zu schätzen und zu nutzen. Hier galt er als Aphrodisiakum. Nachdem sich die Liebenden mit parfümiertem Wasser gewaschen hatten, liessen sie sich zur Vorbereitung des Liebesaktes mit wohlriechenden Ölen und Salben einreiben. Besonders raffinierte Liebhaberinnen stopften die Kissen mit Rosenblüten aus, bevor sie ihren Liebsten empfingen. Die römische Kaiserzeit zählte wohl zu der parfümwürdigsten Zeit.
Römischen Legionären haben wir es zu verdanken, dass die wenigen damals existierenden Rosen Richtung Norden über die Alpen gelangten. Karl der Grosse (742-814) trug wesentlich dazu bei, dass die Rose in den kaiserlichen und klösterlichen Apothekergärten als Nutzpflanze Einzug hielt.
Bis anhin waren die Grundlagen von Räucherwerk, Salben und Öle, tierische und pflanzliche, feste und halbfeste Duftstoffe wie Hölzer, Pflanzenteile, Harze, Ambra und Moschus, um nur einige zu nennen. Diese Duftstoffe wurden einerseits geräuchert, was mit Rauchtöpfen und Parfümbrennern erfolgte, und andererseits zu einer zähflüssigen Masse verarbeitet, die ausgehärtet als Duftkugeln oder in Riechbüchsen an der Kleidung befestigt wurde, um so den Körper in eine Duftwolke zu hüllen.
Anfang des zehnten Jahrhunderts wurde in Europa die Destillation entdeckt, welche ursprünglich aus dem Orient stammt. Es dauerte aber noch einige Zeit, bis die Kunst des Extrahierens von aromatischen und heilkräftigen Stoffen in Form von Destillation genutzt und auch bekannt wurde.
Im 13. Jahrhundert kannte man bereits vier Rosenarten. Durch die Destillation ätherischer Öle konnte die Anzahl pflanzlicher Duftstoffe erweitert werden.
Im 18. Jahrhundert war vor allem die Rose in jeglicher Form Bestandteil von Rezepten und erreichte ihren Höhepunkt, was Duft und sinnliche Wertschätzung anging. Ob aus dem Parfümbrunnen sprudelnd, in Räucherkerzen verarbeitet oder als Duftwässerchen im Zimmer versprüht, der Rosenduft hatte seinen festen Platz gefunden. Es kamen Riechfläschchen mit Vinaigretten in Mode, die aus neun Teilen Essig und einem Teil Rosenöl bestanden. Wie zur Zeit der Römer fand auch hier das Rosenwasser einen festen Platz als Aphrodisiakum. Davon erzählt die erotische Literatur, wie sich die Damen mit Rosenwasser wuschen oder erfrischten.
Anfang des 20. Jahrhunderts benutzte man rosenölparfümiertes Zahnpuder, Haaröl, Pomade, Taschentuchparfüm und natürlich Seifen.
Heute werden vor allem in Bulgarien, Marokko, der Türkei und noch zu einem kleinen Teil in der Umgebung von Grasse in (Frankreich) Rosen für die Parfüm- und Kosmetikindustrie angebaut.
Rosenöl besteht aus mehr als vierhundert chemischen Einzelsubstanzen, und noch längst nicht sind alle Inhaltsstoffe bestimmt. Folgende Komponenten, die man in völlig unterschiedlichen Mengenverhältnissen sowohl beim Destillat als auch beim Extrakt findet, sind Citronell, Geraniol, Nerol, Ethanol, Phenyläthylalkohol, Linalool, Rosenoxide, Mythyleugenol, Farnesol sowie Stearoptene.
Citronell hat eine tonisierende Wirkung auf das Nervensystem und mit Geraniol zusammen wirkt es antirheumatisch. Phenyläthylalkohol und Eugenol haben betäubende Effekte und hemmen das Wachstum von Keimen. Das Farneol wirkt antibakteriell, desodorierend und ist zudem hautfreundlich.
Somit sind Pflegeprodukte mit natürlichen Auszügen aus der Rose ideal für die empfindliche sowie reife Haut.
Aber auch Hagebuttenkernöl aus Rosa mosqueta und Auszüge der Blätter von Rosa rubiginosa, der Weinrose, auch Schottische Zaunrose genannt, werden für die Kosmetikindustrie genutzt. Es gibt mittlerweile auch hier hervorragende Pflegelinien, die natürliche Wirkstoffe der Rose enthalten.
Auch in Duftkompositionen von Parfüms finden wir, wie könnte es anders sein, den Duft der Rose. Zu den bekanntesten gehören sicher 'Roses and More' von Priscilla Presley, 'Le Bain' von Joop sowie 'Trésor' von Lancôme.
Fotos und Text:
Brigitte Buser, Atelier zum Dorfgarten
http://www.zumdorfgarten.ch/
Die Gewinnung von Rosenöl

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