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Schnecken- Bekämpfung
Andreas
Schedler, Hauenstein AG, Rafz
Schnecken im Garten können ein Plage sein,
besonders wenn sie unsere Lieblingspflanzen fressen und nicht das
Unkraut. Diese Meinung ist weit verbreitet und nur teilweise richtig.
Schnecken machen keinen Unterschied zwischen Kulturpflanzen und
Unkraut. Sie sind Gourmets und fressen was Ihnen schmeckt –
in der Not auch wenig schmackhafte Pflanzen.
Entwicklung der Schnecken
Schnecken bilden in unserem Klima meistens nur eine Generation pro
Jahr aus. Einzelne Tiere entwickeln sich schneller oder langsamer,
so dass gleichzeitig verschiedene Entwicklungsstadien anzutreffen
sind. Schnecken sind Zwitter, d.h. die weiblichen und männlichen
Geschlechtsorgane sind in jeder Schnecke vorhanden. Darum können
sie sich auch gegenseitig paaren und anschliessend Eier legen. Danach
sterben die Elterntiere. Die Eier werden normalerweise in die Erde
abgelegt, wo sie vor Austrocknung geschützt sind. Generell
sind Schnecken, auch erwachsene Tiere sehr empfindlich auf Austrocknung.
Darum verstecken sie sich tagsüber in der Erde oder in der
Vegetation und machen sich erst am Abend/Nacht oder bei Regen auf
Futtersuche.
Sind Schnecken
nur schädlich?
Der Sündenregister der Schnecken ist ziemlich gross. Das ist
zumindest die Meinung des Menschen. Dabei denken wir eigentlich
nur an die paar Schneckenarten, die in unseren Gärten Schäden
anrichten. Tausende von Schneckenarten leben im Meer, in Süssgewässern,
im Wald oder auf Ödland. Vielmals sind sie Aasfresser und spielen
im natürlichen Stoffabbau eine wichtige Rolle. Dabei verzehren
sie abgestorbene Pflanzenteile und Tierleichen, was letztlich wieder
der Natur zugute kommt. Unsere Einteilung der Lebewesen in "Nützlinge"
und " Schädlinge" ist recht eigenmächtig und
willkürlich. In der Natur gibt es sie nicht. Dort hat jedes
Lebewesen seine Funktion im Zusammenspiel mit der Umwelt.
Im Garten gestalten wir ein Stück Natur nach unseren eigenen
Vorstellungen. Wir bestimmen den Platz, die Menge und den Pflanzzeitpunkt
von z.B. Salatsetzlingen und umsorgen sie mit allen möglichen
Zuneigungen. Die Schnecken verstehen unser aufwendiges Treiben nicht
–im Gegenteil. Sie freuen sich am immer feuchten Gartenboden
und an den pflanzlichen Leckerbissen. Fressen ist ihr ureigenster
Überlebenstrieb. Wenn die Nahrung auch noch jung, zart, saftig
und wohlschmeckend ist, dann kann die Schnecke nur noch fressen.
Ist eigentlich logisch – oder?
Wichtige schädliche
Schneckenarten
Um es gleich am Anfang zu erwähnen. Es gibt im Garten nur ein
paar wenige schädliche Schneckenarten. Unter anderem sind alle
Gehäuseschnecken harmlos. Die grössten Schäden werden
fast immer durch folgende Schadschnecken verursacht:
Ackerschnecken (Doroceras)
Die genetzte Ackerschnecke ist die häufigste Schneckenart.
Generell sind die Ackerschnecken sehr verbreitet. Grösse: 0.5
bis 5 cm. Färbung: hellbeige, hellgrau oder dunkelbraun, zum
Teil auch gefleckt. Jungtiere sind meistens hellbeige. Schleim:
durchsichtig, schlüpfrig. Bei einer Störung scheidet die
genetzte Ackerschnecke einen milchig weissen Schleim aus. Sie sind
das ganze Jahr aktiv, ausser bei Frost. Sie fressen eine Vielzahl
von Gemüse- und Zierpflanzen. Meistens ist es ein Lochfrass
an ober- und unterirdischen Teilen.
Garten-Wegschnecken (Arion)
Grösse: 0.5 bis 4 cm, Färbung: Oberseite dunkelgrau bis
schwarz, Unterseite blassgelb bis kräftig orange. Schleim:
durchsichtig, klebrig. Das Schadbild ist meistens ein Lochfrass
an ober- und unterirdischen Pflanzenteilen. Oberirdisch sind die
Garten-Wegschnecken im Frühjahr und Herbst aktiv, im Sommer
mehrheitlich unterirdisch (Schäden an Wurzelgemüsen).
Gefährdet sind eine Vielzahl von Gemüse und Blumen.
panische Wegschnecke, Rote Wegschnecke (Arion)
Grösse: 1 bis 10 cm. Färbung: ausgewachsene Tiere sind
ziegelrot, kaffee- oder schokoladenbraun, Jungtiere gelb, braun,
grau oder grünlich gefärbt mit zwei kaffeebraunen Längstreifen.
Schleim: durchsichtig, klebrig. Das typische Frassbild ist, wenn
die oberirdischen Teile abgefressen sind. Auch hier sind viele Gemüse
und Blumen gefährdet. Die Wegschnecken sind vom frühen
Frühjahr bis in den Spätherbst aktiv. Sie leben vorwiegend
in Wiesen, Brachen, Hecken und Gestrüpp und wandern von dort
in den Garten ein.
Vorbeugende Massnahmen
Obwohl Schnecken manchmal eine echte Plage sein können, behagen
ihnen nicht alle Bedingungen. Sie vermehren sich nur übermässig
und richten dann auch Schäden an, wenn die Lebensbedingungen
für sie stimmen. Darum ist es wichtig, dass wir das Umfeld
möglichst schneckenfeindlich gestalten. Selbstverständlich
lassen sich meistens nicht alle Bedingungen realisieren. Nur schon
ein paar von ihnen können das Schneckenproblem stark reduzieren.
Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung.
- Jede Bodenbearbeitung schadet den Schnecken
und reduziert deren Aktivität.
- Boden fein bearbeiten, damit möglichst
wenig Hohlräume entstehen.
- Nach jedem Regen sofort die verschlämmte
Erde leicht lockern, damit es keine Risse gibt. Das wären
ideale Tagesverstecke für die Schnecken
- Den Boden im Winter bearbeiten. Schnecken
sind im Winter schlecht aktiv und erfrieren, wenn sie starkem
Frost ausgesetzt sind.
- Kräftige, abgehärtete Jungpflanzen
setzen.
- Am Morgen bewässern, damit der Boden
schneller abtrocknet. Lieber auf einmal viel Wasser geben und
in grösseren Zeitabständen, als täglich wenig.
- Schneckenunempfindliche Gemüse- und
Blumensorten anpflanzen
- Empfindliche Gemüse- und Blumensorten
nicht in direkter Nachbarschaft von Wiesland und Gebüschen
anpflanzen
- Gemüse- und Blumenbeete an eher trockenen,
sonnigen Standorten anlegen.
- Schneckenzäune sind teuer, aber auch
wirkungsvoll
- Bretter, Plastik u.ä nicht längere
Zeit am Boden liegen lassen (ist idealer, feuchter Unterschlupf).
- Ablenkungspflanzungen anlegen mit von Schnecken
favorisierten Pflanzen (Mischkultur), z.B. Senf, Kresse usw. Zumindest
für 1 – 2 Wochen werden die Schnecken sich dort aufhalten.
Nachher benötigen sie wieder abwechslungsreichere Nahrung
und wandern weiter.
- Keine Monokulturen anlegen, sondern Mischpflanzungen
(Arten, Alter der Pflanzen)
- Ein guter, aktiver Kompost entwickelt hohe
Temperaturen, welche die Schneckeneier zum Absterben bringen.
- Keine Ernteabfälle auf dem Boden liegen
lassen.
- Nachbarliche Wiesen oder zumindest ein Wiesenstreifen
kurz gemäht halten.
- Gezielte Wassergaben direkt zur Pflanze anstatt
Flächenbewässerung
- Nistplätze und Verstecke schaffen für
die natürlichen Feinde der Schnecken (Igel, Spitzmaus, Blindschleiche,
Laufkäfer, Glühwürmchen, teilweise Vögel usw.)
Bekämpfungsmassnahmen
Alle vorbeugenden Massnahmen nützen manchmal nicht genügend,
damit Blumen und Gemüse keinen Schneckenfrass abbekommen. Manchmal
sind auch äussere Einflüsse entscheiden für ein massenhaftes
Auftreten der Schnecken (Wetter). Folgende Bekämpfungsmassnahmen
sind möglich. Die beste Wirkung wird in Kombination von verschiedenen
Massnahmen erzielt.
- Für Laufenten, Gänse, Hühner
usw. sind Schnecken eine Delikatesse, aber leider auch Setzlinge
von Kulturpflanzen. Darum entweder auf unbebautem Land die Tiere
weiden lassen oder die Kulturpflanzen schützen. Trinkstelle
zur Verfügung stellen.
- Einsammeln der Schnecken am Abend, frühmorgens
und an Regentagen. Mit auf dem Boden gelegten alten Brettern,
nassen Tüchern oder Rhabarberblätter kann man sie leicht
ködern.
- Heute sollten nur noch Schneckenkörner
auf der Basis von Eisenphosphat (z.B. Ferramol) verwendet werden.
Eisenphosphat kommt im Boden natürlich vor. Nachdem die Schnecken
davon gefressen haben verlieren sie an Appetit, verkriechen sich
im Erdreich und sterben. Solche Schneckenkörner sind für
Igel, Haustier und Mensch absolut ungefährlich. Gemüse
und Früchte können nach einer allfälligen Anwendung
sofort verzehrt werden. Schneckenkörner auf der Basis von
Metaldehyd sollten nicht mehr eingesetzt werden. Sie sind für
viele Nützlinge eine Gefahr, weil sie die vergifteten Schnecken
fressen und damit das Gift in sich aufnehmen.
- Nematoden, auch Fadenwürmer oder "Älchen"
genannt, der Art Phasmarhabditis hermaphrodita befallen ausschliesslich
Schnecken und sind für andere Lebewesen harmlos. Sie sind
eigentliche Schmarotzer, machen die Schnecke krank, was schlussendlich
zum Tode führt.
- Bierfallen (ein bis zum Rand eingegrabener
Becher gefüllt mit Bier) eignen sich nur für kleine
Flächen z.B. innerhalb eines Schneckenzauns. Sehr gute Resultate
werden im Februar/März erzielt, wenn das Nahrungsangebot
noch sehr klein ist. Während der eigentlichen Vegetationsperiode
sollten Bierfallen nicht mehr verwendet werden, da der Biergeruch
Schnecken von weit her anzieht.
- Eine geringe Wirkung haben Schutzringe von
z.B. Asche, Sägemehl, Holzhäcksel usw. um die gefährdeten
Pflanzen. Die Wirkung ist gut, solange diese Stoffe trocken bleiben,
in Verbindung mit Feuchtigkeit geht sie verloren.
- Weizenkleie, Küchenabfälle oder
Schalen von Zitrusfrüchten sind bekannte Ködermittel.
Den besten Erfolg bringt aber eine Mischung aus 200 g Weizenkleie
und 50 g Katzen- oder Hundebisquits (jedes Produkt ist geeignet).
Die Bisquits werden in Wasser gequellt und dann mit der Weizenkleie
gemischt. Pro m2 2 Häufchen deponieren. Die Schnecken müssen
mehrmals pro Nacht eingesammelt werden. Die Köder sollten
nur 2 bis 3 Tage angewendet werden, da sonst Schnecken von weit
her angezogen werden.
- Die sogenannte "Schneckenbrühe"
stinkt fürchterlich und soll Schnecken vertreiben. Aus hygienischen
Gründen darf sie nicht über essbare Pflanzenteile, z.B.
Salat gegossen werden. "Schneckenbrühe" veranlasst
Schnecken, in eine bestimmt Richtung zu wandern. Das gelingt jedoch
nicht, wenn ganze Beete mit der Brühe übergossen werden.
Darum empfiehlt es sich, mit der Brühe nur Duftmarken zu
setzen. "Schneckenbrühe" wird mit toten Schnecken
und Wasser10 Tage angesetzt. Zum Gebrauch verdünnen.
Eine alte Methode ist das zerschneiden von Schnecken
im Garten. Das dezimiert wohl den Ist-Bestand. Zerschnittene Schnecken
locken aber andere Schnecken von weit her an. Sie werden sehr gerne
von den Artgenossen gefressen.

"Schneckenresistente"
und "Schneckenanfällige" Pflanzen
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Quelle und Urheber des Artikels:

http://www.hauenstein-rafz.ch
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