Leidenschaft Efeu
Als wuchernder Bodendecker und als Kletterpflanze ist der
immergrüne Efeu zu Unrecht in Verruf geraten. Mit diesem
Beitrag wollen wir ihn aus seinem Schattendasein befreien,
denn seine Erscheinung und Verwendbarkeit ist vielseitig
und die zahllosen winterharten Sorten sind wenig bekannt.
Wir besuchten den Efeusammler Martin Gmeinder mit seiner
Sammlung, die inzwischen auf fast 140 Sorten angewachsen ist.
Efeu (lateinisch Hedera) gehört zu der
botanischen Familie der Araliengewächse
(Araliaceae). Wir kennen dieses
immergrüne Gehölz mit seinen typischen,
dunkelgrünen und ledrigen Herzblättern
meist als unliebsamen Bodendecker oder
als Kletterpflanze, die Bäume und Hausfassaden
erklimmt und schädigt. Dieses
Vorurteil ist leider sehr häufig bei Gärtnern
vertreten - das Gegenteil ist aber der
Fall. Baumstämme, die mit Efeu bewachsen
sind, werden dadurch sehr gut von
der Wintersonne geschützt, die unschöne
Frostrisse verursachen kann. Der Baum
selber wird durch den Bewuchs nicht geschädigt,
solange er gesund ist und nicht
bereits durch andere Auswirkungen, wie
z.B. Wassermangel oder Pilzkrankheiten,
gestresst oder geschwächt ist. Ebenso ist
die Begrünung von Hausfassaden klimatechnisch
sehr positiv zu sehen. Hauswände
werden durch das Blätterkleid des Efeus
isoliert, egal ob im Sommer gegen die Hitze
oder im Winter gegen die Kälte. Die Haftwurzeln
sitzen dabei auf dem Putz und
beim Abreissen der Efeuranken bleiben
lediglich die Haftscheiben hängen, was
unschön aussieht und beim Neustreichen
stört. Gleich wie beim Baumstamm werden
nur Fassaden geschädigt, die bereits
Risse aufweisen, in welche die Ranken hineinwachsen
und durch Dickenwachstum
zu weiteren Schäden führen können. Ökologisch
gesehen bietet eine Efeufassade
einer Vielzahl von Insekten einen Lebensraum
und den Vögeln eine willkommene
Nistmöglichkeit und Nahrungsquelle.
Formenvielfalt
und Blattfärbungen
Von den elf Efeuarten, die es gibt, gehört
der Gewöhnliche Efeu (Hedera helix) zu
den bekanntesten Arten. Seine stark wachsenden
Sorten besiedeln in kurzer Zeit
grosse Flächen. Ähnlich wächst auch der
Irische Efeu (H. hibernica), dessen Blütenstände
wesentlich grösser sind als beim
Gewöhnlichen Efeu. Eine weniger stark
wachsende Art ist der Kolchische Efeu (H.
colchica), dessen Blätter bis 15 cm lang
werden können, und der nur zwischen
sechs bis acht Meter hoch klettert - im Gegensatz
zu den erstgenannten Arten, die
es weit über 20 Meter Höhe hinauf schaffen.
Jedoch spannender als Wuchseigenschaften
sind bei dieser Kletterpflanze die
dekorativen Blattfärbungen, -formen und
-aderungen. Die Blattfarben gehen über
dunkelgrün, hellgrün, lindengrün, gelb,
mattgrün, grünlichgrau, bläulichgrün und
können zusätzlich noch weiss oder gelb
panaschiert sein. Bei einigen Sorten sind
die Blattränder panaschiert, bei anderen
gepunktet oder gefleckt, was auch kombiniert
vorkommen kann. Hinzu kommen
noch die adulten Formen: Sobald
die Pflanze geschlechtsreif ist, werden die
Blattformen unterschiedlich ausgebildet,
sodass es zu zweierlei Blattformen an ein
und derselben Pflanze kommt. Durch Kälte
und Trockenheitseinflüsse verfärben
sich die Blätter bei einigen Sorten, was
besonders im Winter oder Vorfrühling interessant
wirken kann. Dabei werden sie
je nach Sorte sehr unterschiedlich, meist
rötlich, rosa oder sogar braunrot gefärbt -
ein Aspekt, der bei einer Planung auch berücksichtigt
werden sollte. Betrachtet man
die Blattadern, so ist eine hohe Variabilität
erkennbar, die von netzartig über fächerförmig,
bis zu Formen mit einer einzelnen,
gut sichtbaren Hauptader reicht. Auch hier
kann es durch Kälte oder Trockenheitseinflüsse
spezielle Verfärbungen geben. Bei
den Blattformen wiederum ist fast alles
möglich, rund, pfeilspitzig, herzförmig,
weidenblättrig oder das typische Efeublatt
mit Lappen, ebenso wie gerüschte oder gewellte
Ränder.
Unterschiedliche
Winterhärte
Obwohl die verschiedenen Efeuarten und
-sorten ganz unterschiedlich winterhart
sind, finden doch fast alle Sorten - mindestens
in der warmen Saison - ausgepflanzt
ein geeignetes Plätzchen im Garten.
Gut winterharte Sorten ertragen mehr
Wind, Kälte und Wintersonne. Weniger
winterharte Sorten brauchen einen sonnengeschützten
Standort, d.h. ohne jede
Wintersonne und völlig geschützt von Ostwind.
Wird Efeu in Gefässen gehalten, ist
es generell
weniger winterhart. Erfolgt mal
ein Kältetod, tritt dieser bei etwa -18° bis
-20°C ein, wobei sich die Pflanze meist
aus der Wurzel wieder regenerieren kann.
Weniger winterharte Sorten und Pflanzen
in Töpfen sollte man im Winter mit
Tannenreisig schützen. Unterschiedliche
Sorten haben ganz unterschiedliche Ansprüche,
weshalb generelle Angaben nicht
genügen.
Boden - und Lichtansprüche
Efeu stellt geringe Ansprüche an die Bodenqualität,
gedeiht aber am besten auf
kalkhaltigen Böden. Staunässe dagegen
liebt Efeu überhaupt nicht und als Waldpflanze
wird ein halbschattiger bis schattiger
Standort bevorzugt. Bei kletternden
Arten sollte der Untergrund, beispielsweise
die Fassade, nicht wasserabweisend
beschichtet sein. Ebenso schlecht sind
dunkle Fassaden, die sich bei Sonne stark
erhitzen.
Vielseitige Verwendung
Im Allgemeinen wird Efeu als Kletterpflanze
zur Begrünung von Hausfassaden,
Baumstämmen und Mauern verwendet
oder als dichter, niedriger und immergrüner
Bodendecker für grössere Flächen.
Selbst Schalen, Tröge, Töpfe und Balkonkisten
(evtl. auch nur saisonal) können
langjährig begrünt werden, Efeu ist nicht
nur auf dem Friedhof eine ansprechende
dauergrüne Bepflanzung. Es kann selbst
als Zimmerpflanze, im Flaschengarten
oder in Ampeln erfreuen und ist ein ruhiger
Partner für üppige Blühpflanzen
oder bunte Dekorationen.
Dr. Uwe J. Messer / Martin Gmeinder
Efeusammlung von Martin Gmeinder
Meine Efeusammlung umfasst momentan
fast 140 Sorten und Arten, welche ich seit
2003 sammle. 2008 bin ich der Deutschen
Efeugesellschaft beigetreten. Interessant
sind die verschiedenen Blattformen und
Blattfarben sowie ihre Einsatzmöglichkeiten.
Erstmals habe ich mich durch die
Efeusammlung im Botanischen Garten
Brüglingen in Basel inspirieren lassen, wo
ich dann später auch zu vielen Sorten kam.
Ein weiterer Grund für meine Sammelleidenschaft
war ein ganz pragmatischer.
Da nur wenige Gärtner sich mit Hedera gut
auskennen, beschloss ich, diese zu sammeln,
zu beobachten, zu vermehren und
später dann auch zu verkaufen. Ich persönlich
hoffe, dass ich Sie für die Efeusammelleidenschaft
begeistern kann.
Wollen Sie noch mehr über Efeu wissen und
beraten werden, dann rufen Sie einfach an
bei:
Garten Bieri AG
Grossackerstrasse 20
9542 Münchwilen
www.garten-bieri.ch
Telefon 071 966 17 08 und Herrn Martin
Gmeinder verlangen.
Öffnungszeiten:
Mo bis Fr. 8.00 – 12.00 Uhr und 13.30 bis 17.30 Uhr
Sa 9.00 bis 12.00 Uhr.
Quelle und Herausgeber
Verlag FREUDE AM GARTEN
Eichwiesstrasse 4, CH-8645 Rapperswil-Jona
Tel. +41 (0)55 220 21 21, Fax +41 (0)55 220 21 29
bert.stankowski@floramedia.ch
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Altersform und...

...Fruchtschmuck
beim Gewöhnlichen Efeu
(Hedera helix).

Gesunde Hausfassaden
werden durch das
Blätterkleid isoliert und
nicht geschädigt.

Von Efeu bewachsene
Bäume schützen den
Stamm vor Wintersonne.

Efeu ist vielseitig, auch
ist es als Zimmerpflanze
sehr dekorativ.

Jasmin Länzlinger, Lehrtochter
im 1. Lehrjahr bei
Garten Bieri AG und Martin
Gmeinder sind beide der
Efeuleidenschaft verfallen.
Fotos: Messer
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