Alpenflora - Warum sie wo gedeiht


Anemone baldensis
Anemone baldensis


Phyteuma hemnisphaericum
Phyteuma hemnisphaericum


Rhododendron hirsutum
Rhododendron hirsutum

Brigitte Buser
Uns vor allem als alpine Pflanzen bekannt sind solche mit auffallenden Blüten, wie beispielsweise die vom Edelweiss (Leontopodium alpinum), der Alpenrose, einer Rhododendrenart und natürlich die vom blauen Enzian (Gentiana). Es gibt aber noch weit mehr alpine Pflanzen. Natürlich ist es am einfachsten, an einem sonnigen Tag den Rucksack zu packen und die Wanderschuhe anzuziehen, um uns dann Richtung Berge aufzumachen. Idealerweise im September oder Oktober, wenn wir zwar nochmals mit viel Sonnenschein verwöhnt werden, es jedoch die Temperaturen nicht mehr ganz so hoch wie in den Hochsommermonaten klettern. Dabei ist es nicht unbedingt notwendig, Felswände erklimmen, denn schon am Wegrand oder auf Alpwiesen trifft man eine interessante Vielfalt alpiner Pflanzen an. So beispielsweise Bergflockenblumen oder die Rundblättrige Glockenblume, die auch in tiefer gelegenen Talregionen wächst. Grundsätzlich handelt es sich bei der Alpenflora, um Pflanzen, die in der Natur oberhalb der Baumgrenze vorkommen. Gesammthaft sind es etwa 4500 Arten, davon ungefähr 650 Blütenpflanzenarten. Dabei werden auch Arten dazugezählt, die hauptsächlich im Gebirge verbreitet, aber auch in Talregionen anzutreffen sind. Zudem kann je nach geographischer Lage und Bodenbeschaffenheit die Flora sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein. Letztere spielt eine enorm wichtige Rolle, denn auf Kalkstein und Dolomit herrschen andere Voraussetzungen und somit andere Artenvielfalt als dort wo Kalk auf Silikat trifft. Hier ist oft eine grössere Artenvielfalt vorhanden. Dabei kommen manche Arten nur an einem bestimmten Ort vor, andere fast überall. Zusätzlich ist diese Vielfalt nebst den vorangehenden Bedingungen auch von der Höhe abhängig. Dabei sind die Übergänge oft gleitend. Besonders auffallend ist die Artenzusammensetzung, die wir in den sogenannten Kalkalpen, also auf Kalkböden, denn die sind wärmer du trockener. Hier finden wir Rhododendren, Farne, und verschiedene Sedumarten. So sind beispielsweise die Ostalpen im Norden hauptsächlich mit Fichtenmischwäldern bedeckt, in den Zentralalpen hingegen findet man ausgedehnte Bergmatten, Lärchen- und Fichtenwälder. Interessant ist auch, dass es beispielsweise auch Arten der Alpenrose gibt, die auf unterschiedlichen Böden wachsen. So bevorzugt die Bewimperte Alpenrose, Rhododendron hirsutum, Kalkböden während die Rostblättrige Alpenrose, Rh. ferrugineum, mit kalkarmen Böden vorlieb nimmt. Auch haben sich die Pflanzen den alpinen Lebensbedingungen angepasst. Dabei haben sich unterschiedliche Verhaltensweisen entwickelt, die sie nicht nur von verwandten Arten, sondern auch gleichen Arten ausserhalb der alpinen Region unterscheidet. Diese dienen hauptsächlich zum Schutz vor Austrocknung, dies besonders in schneereichen Regionen mit starken Winden. So bildeten viele einen Polster- oder Rosettenwuchs und zeichnen sich durch einen gedrungnen Wuchs aus. Im Polsterwuchs entsteht übrigens ein eigenes Mikroklima, welches die Temperatur an der Oberfläche erhöht und im Polster selbst werden Humus und Wasser gespeichert. Ein gedrungener Wuchs reduziert die Angriffsfläche für Wind. Andere schützen sich mit einer dichten Behaarung oder einen wachsartigen Überzug auf Stängel und Blättern. Dazu kommt oft noch ein feines Wurzelsystem, welches oft bis zu fünfmal länger ist als das von Talpflanzen der gleichen Art. So können die geringen Nährstoffe besser aufgenommen werden. Aber auch der Stoffwechsel funktioniert bei alpinen Pflanzen anders als bei dem von Talpflanzen, da diese mit geringeren Temperaturen und starken Temperaturschwankungen besser zurechtkommen müssen. Daher ist davon abzusehen Pflanzen auszugraben und in Talregionen wieder einzupflanzen, denn diese kommen mit den neuen Bedingungen oft kaum zurecht. Wer trotzdem Alpenpflanzen in seinem Garten halten will, wendet sich am besten an Gärtnereien die auf solche spezialisiert sind. Hier bekommt man zudem fachkundig Auskunft in Bezug auf Standortansprüche und Pflege.

Wichtiger Hinweis: Viele Alpenpflanzen sind geschützt, insbesondere Orchideenarten. Daher sollten keinesfalls oberirdische Teile gepflückt oder ganze Pflanzen ausgraben werden.

 
Soldanella alpina
Soldanella alpina
Leonotopodium alpinum
Leonotopodium alpinum


 


 

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