Lungenkraut - Pulmonaria officinalis

Das Schmalblättrige Lungenkraut (P. angustifolia) mit zweifarbiger Blütenpracht.zoom
Das Schmalblättrige Lungenkraut (P. angustifolia) mit zweifarbiger Blütenpracht.
Kokett schauen die Blüten von P. angustifolia ‘Silver Bouquet‘ aus den attraktiven Blatthorsten. zoom
Kokett schauen die Blüten von P. angustifolia ‘Silver Bouquet‘ aus den attraktiven Blatthorsten.

Text: Brigitte Buser / Bilder: Bert Stankowski

Allgemeines

Wahre Lichtblicke im Vorfrühlingsgarten sind nebst Zwiebelblumen auch frühblühende Stauden, konkurrenzzieren sie doch mit ihrer eher zurückhaltenden Blütenpracht kaum die Extravaganz gewisser Tulpensorten und geben bescheideneren Arten wie Narzissen, Traubenhyazinthen oder Hasenglöckchen einen entsprechenden Rahmen. Zudem erweisen sie sich oft als pflegeleichte Bodendecker. Zu diesen Pflanzen gehört auch das zu den Borretschgewächsen zählende, schattenverträgliche Lungenkraut. Dabei handelt es sich um eine krautige, mehrjährige Staude mit kriechendem Rhizom, welche sich besonders an nicht zu trockenen Gehölzrädern wohlfühlt. Das Lungenkraut ist in Europa beheimatet. Von den 20 Arten gedeihen auch einige in der Schweiz, darunter das im Mittelland und Jura vorkommende dunkelgrüne Lungenkraut (P. obscura), aber auch das Gebräuchliche, Gefleckte oder Echte Lungenkraut (P. officinalis). Beide gedeihen in Laubmischwäldern, unter Sträuchern oder an schattigen Ufern in eher humosen, nicht zu trockenen Böden. Ab 1930 begann man mit der Züchtung zahlreicher Sorten, welche gegen Ende des 20. Jahrhunderts intensiviert wurde.Auffällig sind die zu mehreren in Trauben gefassten, trichterförmigen Blüten. Bei den Wildformen öffnen sie sich meistens rosa und verfärben sich mit der Zeit violettblau. Zuchtformen warten mit einheitlichen weissen, rosafarbenen oder lachsfarbenen Blüten auf. Es sind aber auch Sorten mit interessanten Farbabstufungen erhältlich. Diese basieren auf einer pH-Wertveränderung (Säureveränderung) im Zellsaft. Da sich die Blüten nacheinander öffnen, erstreckt sich die Blütezeit über mehrere Wochen. Alle Lungenkräuter sind übrigens gute Bienenweiden und werden zudem gerne von Hummeln besucht. Aber auch Faltern spenden sie Nektar, und Ameisen sorgen für die Ausbreitung der Samen. Die Blätter sind meistens behaart, lungenförmig – daher auch der Name – und herzförmig oder lanzettlich. Bei einigen Arten und Sorten sind sie zusätzlich weiss gepunktet oder gefleckt.Je nach Sorte und Standort beträgt die Wuchshöhe 20 bis 40 cm. Mit den Jahren bildet sich ein kriechender oder horstiger, jedoch niemals aggressiver Wurzelstock. Bei optimalen Bodenbedingungen vermehrt sich die Pflanze auch durch Selbstaussaat.

 
Beim Aufblühen zeigt P. angustifolia ‘Trevi Fountain‘ violettblaue Blüten.zoom
Beim Aufblühen zeigt P. angustifolia ‘Trevi Fountain‘ violettblaue Blüten.

Standort

Wie in der Natur bevorzugen Lungenkräuter auch im Garten einen halbschattigen, humus- und nährstoffreichen Standort in nicht zu trockenen Böden. Hier eignet sich die wertvolle, langlebige Blütenstaude besonders gut zur Unterpflanzung von Sträuchern, zur Belebung von Gehölzgruppen oder zur Bepflanzung absonniger Staudenrabatten. Dabei lässt sie sich wunderbar mit Stauden wie Primeln (Primula), Bergenien (Bergenia), Maiglöckchen (Convallaria), Funkien (Hosta), Elfenblume (Epimedium), Salomonssiegel (Polygonatum), Golderdbeere (Waldsteinia), Farne, aber auch Zwiebelblumen, wie Winterlinge, Schnee- oder Hasenglöckchen, Tulpen oder Narzissen vergesellschaften.

 
Ist die Blütezeit vorbei, glänzt P. angustifolia ‘Trevi Fountain‘ durch die auffällige Blattzeichnung.zoom
Ist die Blütezeit vorbei, glänzt P. angustifolia ‘Trevi Fountain‘ durch die auffällige Blattzeichnung.

Pflege

Da der Nährstoffbedarf beim Lungenkraut relativ hoch ist, sollte die Pflanze im Frühjahr mit einer Kompostgabe gedüngt werden, was zusätzlich die Bodenstruktur verbessert. Ist kein Kompost vorhanden, reicht auch ein Volldünger.


 
In grossen Mengen gepflanzt wirkt P. angustifolia ‘Trevi Fountain‘ während der Blüte wie ein perlender Wasserfall.zoom
In grossen Mengen gepflanzt wirkt P. angustifolia ‘Trevi Fountain‘ während der Blüte wie ein perlender Wasserfall.

Volksglaube und Medizin

Die Punkte auf den Blättern des Lungenkrautes galten im Volksglauben als Milch der Gottesmutter Maria. In der Signaturlehre wurden die Flecken zusammen mit der Blattform als Beweis für die Heilkraft bei Lungenleiden gewertet. Bereits Hildegard von Bingen (1098–1179) erkannte die heilende Wirkung des Lungenkrautes, nannte die Pflanze jedoch Lungwurz. Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass die in P. officinalis enthaltenen Wirkstoffe Kieselsäure, Schleime, Saponine, Gerbstoffe und grössere Mengen an Mineralien hustenreiz- und entzündungshemmend wirken. Zudem können die jungen Blätter und zarten Blüten Salaten, Gemüse oder Suppen beigefügt werden.

 


 

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P. Sissinghurst White fällt durch reinweisse Blüten auf.zoom
P. Sissinghurst White fällt durch reinweisse Blüten auf.
Die Blätter von P. angustifolia ‘Spring Garden‘ sind dezenter gepunktet.zoom
Die Blätter von P. angustifolia ‘Spring Garden‘ sind dezenter gepunktet.
angustifolia  ‘Silver Bouquet‘ wartet mit rosa Blüten und auffälliger Blattzeichnung auf.
angustifolia ‘Silver Bouquet‘ wartet mit rosa Blüten und auffälliger Blattzeichnung auf.